Fahrt zu unserer ungarischen Partnerschule in Eger / Ungarn

20. 09. – 29. 09. 2004


Montag / Dienstag, 20. und 21. 09. 2004

Anreise

Mehr oder weniger pünktlich standen alle um 19:05 h vor dem Reisezentrum in NMS - bereit, die ca. 20 stündige Reise nach Ungarn anzutreten. Herr Alsen und Frau Renth, die uns begleiten sollten, zählten noch einmal durch..., ja alle 23 „Ungarnfahrer“ waren da. Also konnten wir uns mit unseren schweren und ziemlich großen Taschen und in Begleitung unserer Eltern auf den Weg zum Bahnsteig 5 machen. Dort mussten wir noch einige Minuten auf unseren Zug nach Hamburg Dammtor warten, was die Aufregung erheblich steigerte. Dann endlich war der Zug da, und nachdem wir uns alle verabschiedet hatten und uns einen Platz in den reservierten Abteilen gesucht hatten, fuhren wir los. Wir waren auf dem Weg nach Ungarn.
Pünktlich um 20:10 h waren wir in Hamburg Dammtor, wo wir 15 min Aufenthalt hatten, bis der Zug kam, mit dem wir über Nacht nach Wien Westbahnhof fahren sollten. Nach Ankunft des Zuges dauerte es nicht lange, bis sich alle zu sechst in einem Abteil des Liegewagens zusammengefunden hatten. Obwohl wir alle ziemlich aufgeregt waren, gingen wir, nachdem wir uns noch ein wenig unterhalten hatten, schlafen. Jeder hatte eine „Pritsche“ mit einer Wolldecke und einem kleinen Kissen, aber es war sehr unbequem. Trotzdem konnten viele schlafen. Diejenigen, die nicht oder nur wenig schlafen konnten, setzten sich auf den Gang und lasen, hörten Musik oder trafen sich in einem Abteil. Nach einer anstrengenden, aber auch lustigen Nacht bekamen wir um 7:45 h Frühstück.
Um 9 h in Wien angekommen hatten wir eine Stunde Aufenthalt und konnten in die Stadt gehen. Um 10:07 h fuhr unser Zug nach Budapest. In Budapest hatte Herr Alsen auf Grund des schönen Bahnhofs einen „kleinen“ Anfall von Desorientierung. Also sind wir in Begleitung der Security-Menschen zu den Schalttafeln gegangen. Mit diesen konnten wir aber nicht sehr viel anfangen, da sie pausenlos am Umschalten waren. Nach einer weiteren ratlosen Viertelstunde, kam Herr Alsen die Erleuchtung, dass wir ans andere Ende des Bahnhofes mussten, wo wir (Oh Wunder!) Gleis 11 mit unserem Zug fanden. In Budapest-Keleti fuhren wir um 14 h weiter nach Füzesabony. Um 15:48 h stiegen wir in einen Zug ein, der uns nach Eger bringen sollte.

Herr Ahlsen in Budapest

Mehr oder weniger müde torkelten wir dann um 16:05 h in Eger aus dem Zug. Mit einem großen „Hallo!“ begrüßten uns unsere Gastfamilien am Eingang des Bahnhofes. Nach der Begrüßung gingen bzw. fuhren wir mit ihnen nach Hause. Und trotz der Müdigkeit und der Sehnsucht nach einer warmen Dusche waren wir uns in einer Sache völlig einig: Dies wird bestimmt eine schöne und aufregende Zeit, die wir in Ungarn verbringen dürfen!

Svenja Zuleger, Agnes Chanko, Amelie Schardin

Mittwoch, 22. 09. 2004

Stadtralley

Dobó István
Gymnázium

Der erste Tag in der Schule war für uns natürlich etwas Spannendes. Wir wollten wissen, wie der Unterricht in Ungarn gestaltet ist und ob man den Unterricht mit dem an unserer Schule vergleichen kann. Das Dobó István Gymnázium ist ein sehr großes, altes Gebäude mit drei Etagen. Interessant war auch, dass die ehemaligen Schüler sich mit einzelnen Fotos an den Wänden verewigt haben, nicht wie die Schüler bei uns, die sich mit ihren Initialen an der Säule verewigen. Die erste Ugarischstunde begann und wir lernten ein paar ungarische Sätze und Zahlen. Frau Kéry gestaltete den Unterricht sehr gut und war auch gut vorbereitet.
Nach dem Unterricht gingen wir gemeinsam ins Rathaus, wo uns der stellvertretende Bürgermeister von Eger empfing. Er erzählte uns einiges über die Geschichte Egers und über die Entstehung des Rathauses. Dann sind wir zurück zur Schule gegangen. Dort erhielten wir eine weitere Ungarischstunde, in der wir einige Zungenbrecher und Lieder lernten. Das war sehr interessant. Unmittelbar danach verteilte die Lehrerin Zettel für die Stadtralley. Wir sollten uns in Gruppen aufteilen und einige Sehenswürdigkeiten, z.B. die Basilika, finden und Fragen dazu beantworten. Durch die Ralley lernten wir Eger besser kennen und kannten uns schon nach einer Weile gut in der Stadt aus. Nach zwei Stunden sollten wir uns alle wieder am Dobó-Platz treffen, um gemeinsam eine Rundfahrt mit der Minilok, einer Art Bimmelbahn, durch Eger zu machen. Von der Minilok aus konnten wir uns die schöne Landschaft mit vielen Blumen (die überall waren) angucken und natürlich viele Fotos machen. Wir fuhren auch ins Tal der „schönen Frau“, wo wir eine kleine Pause machten. Nach ungefähr fünfzehn Minuten ging die Fahrt weiter. Am Dobó-Platz wieder angekommen verabschiedeten wir uns alle, weil wir nun erst einmal nach Hause gingen. Nach dem Abendessen in den Familien trafen wir uns alle in der Turnhalle der Schule. Dort wurden uns einige ungarische Volkstänze vorgeführt und beigebracht. Das hat viel Spaß gemacht. Nach einiger Zeit gingen wir zu einer Karaoke-Bar. Die Bar war das „Highlight“ des Abends. Am Anfang wurde alles vorgestellt, und dann fingen auch die ersten Leute an zu singen. Es entschlossen sich Ole, Max, Tamás und ein Freund von Tamás das Lied „Because I get high“ zu singen, was katastrophal, aber witzig vorgetragen wurde. Später sangen unsere ersten ungarischen Mädchen ein typisch ungarisches Lied, was auch sehr nett war. Natürlich gab es auch Leute, die nicht singen konnten, aber man wollte nur seinen Spaß haben. Für uns war der Tag wunderschön und der Abend fantastisch.

Myranda Wiederholz, Annalena Spratte, Jennifer Stoeck, Anna Sternheim

Donnerstag, 23.09.2004

Budapest

Morgens trafen wir uns im strömenden Regen in der Dr. Nagy- Straße, warteten, bis der Bus kam, und los ging` s! Budapest stand auf dem Programm mit erstem Stopp am Platz der Helden. Die in Stein gehauenen Persönlichkeiten hielten tapfer unserem Blitzlichtüberfall stand – Respekt!!!
Von dort sind wir in einen Park nicht weit vom Heldenplatz gegangen, wo wir ebenfalls viele Photos gemacht haben. Danach ging `s mit dem Bus weiter, der uns in der Innenstadt absetzte, und wir gingen zu Fuß weiter zum Parlament - ein riesiges, prunkvolles und sehr eindrucksvolles Gebäude, welches wir leider nur von außen bewundern konnten.

Heldenplatz

Weiter ging` s zur Basilika, die von außen schon wunderschön ist, die uns aber von innen noch mehr beeindruckte. Einige Tapfere bestiegen anschließend den Turm der Basilika und wurden mit einem fantastischen Rundblick auf Budapest belohnt.
Nach dem ersten Teil unseres Pflichtprogramms hatten wir Freizeit! Die drei Stunden mussten sinnvoll genutzt werden, z. B. mit Besichtigung der Einkaufsstraßen, wo der ein oder andere Geschenke für die Lieben zu Hause kaufte.
Danach waren wir doch verhältnismäßig fertig, aber Herr Alsen ließ uns mit seinen Begleiterinnen keine Ruhe. Ab ging` s von Pest über eine von Löwen (nur aus Stein, ein Glück!) bewachte Brücke nach Buda ins Burgviertel. Nach Besichtigung der Matthiaskirche hatte man von der Fischerbastei einen tollen Blick auf ganz Pest.
Weil Budapest eine wundervolle Stadt ist und ein jeder sie besuchen möchte, gibt es natürlich sehr viele Staus. In einem steckte leider unser Bus fest, so dass wir uns solange die Beine in den Bauch stehen mussten, bis er endlich kam und wir unseren müden Füßchen für zwei Stunden Pause gönnen konnten. Im Bus fielen dann einigen nach dem anstrengenden Tag die Augen zu, aber alle waren froh, dass man viel über die ungarische Geschichte gelernt und schöne Eindrücke von Budapest gewonnen hatte.
Es hat sich sehr gelohnt!!!

Bente Gießelmann, Kerstin Möller, Justyna Tessmer

Freitag, 25. 09. 2004

Burg von Eger

Am Freitagmorgen haben wir uns alle in der Schule getroffen. Die stellvertretende Schulleiterin des Dobó-István Gymnáziums, Frau Csontos, hat uns erklärt, dass wir an drei verschiedenen Schulstunden teilnehmen dürfen. Wir konnten wählen zwischen Fächern wie Deutsch, Englisch, Mathe oder Französisch. Wir haben jeweils bei einer Deutsch- und bei einer Englischstunde mitgemacht. Das war sehr lustig, denn im Deutschunterricht wurden wir sogar integriert und sollten auch etwas zum Unterricht beitragen.
Nach diesen drei Wahlstunden hatten wir dann alle zusammen wieder eine Stunde, in der die ungarische Lehrerin Erdkunde mit uns gemacht hat. Wir haben ein Quiz gemacht, um noch mehr über Ungarn und die Geschichte des Landes zu lernen.
Danach hatten wir Freizeit, durften durch Eger laufen, haben etwas gegessen, uns Andenken gekauft, andere Ungarn bei McDonalds getroffen...
Später haben wir uns alle zusammen in der Schule getroffen und sind dann zusammen zur Burg von Eger gegangen. Dort hatten wir eine Führung, wo uns die Geschichte Ungarns näher gebracht wurde. Zum Schluss gab es noch ein freiwilliges Programm für die Folterkammer und die Gemäldegalerie. In der Galerie waren Bilder von ungarischen Künstlern ausgestellt. Danach war das Programm des heutigen Tages zu Ende und wir hatten Freizeit.
Abends hat sich dann der Großteil noch in Eger getroffen und ist dann z.B. in einer Kneipe oder zu dem viertägigen Stadtfest gegangen, das zu der Zeit gerade in Eger stattfand. Alles in allem war es ein schöner und gelungener Tag.

Christine Werner, Friederike Schmidt

Samstag, 25. 09. 2004

Tropfsteinhöhle und Thermalbad

Am Samstagmorgen sind wir sehr früh losgefahren. Der Bus brachte uns geradewegs nach Lillafüred, um dort eine der wenigen Tropfsteinhöhlen Europas zu besichtigen. Die Führung begann um 10 Uhr 30. Wir gingen in die Höhle hinein und wurden von tollen Lichteffekten und Geschichten zu fast jedem Stein überwältigt. Jeder in unserer Gruppe hatte beim Anblick der teilweise riesigen Stalagmiten und Stalaktiten den Mund vor Erstaunen weit geöffnet. Uns hat besonders gefallen, dass man sich bei jeder einzelnen Steinformation mit ein wenig Phantasie eine Figur oder ein Symbol denken konnte.

Tropfsteinhöhle

Danach sind wir zu einem Thermalbad gefahren. In diesem Bad sind Gänge in einen Berg gehauen und zu Höhlen geformt worden, so dass man sich dann schwimmend durch diese Höhlen und Gänge bewegen konnte. Das Wasser war sehr schön warm. Deutsche wie Ungarn hatten auch gemeinsam sehr viel Spaß. Diejenigen, die nicht baden konnten, durften sich dann in dem gleich anliegenden Park erholen. Es war sehr schön, dass – wie bei jeder anderen Exkursion auch – immer eine Ersatzlösung vorlag. Die ganze Fahrt war von Anfang bis Ende durchorganisiert, so dass alle berücksichtigt werden konnten. Und auch die Mühe der Ungarn um die Deutschen war total super. Gleich nachdem wir von der Exkursion zurückgekommen waren, haben sich wieder sämtliche Teilnehmer der Fahrt in der Innenstadt von Eger getroffen, um sich auszutauschen, Kontakte zu knüpfen oder den Rest des Tages weiterhin Spaß zu haben, denn „Spaß“ war die Sache, die wir wohl am wenigsten vermisst haben! Auch fühlten wir uns in den Familien, in denen wir untergebracht waren, total wohl, da wir mit einer übermenschlichen Freundlichkeit verwöhnt wurden – und dann das ganze gute Essen! Wir haben uns in Ungarn rundum wohl gefühlt!

Ole von Breska, Philip Hase, Max Böhlen

Sonntag, 26. 09. 2004

Familientag

Am Sonntag war Familientag. Das hieß, dass jeder mit seiner Gastfamilie etwas privat unternommen hat. Im Großen und Ganzen bedeutete das auch, dass man sich erst einmal ausschlafen konnte. Das Programm der Woche war interessant, aber auch sehr anstrengend gewesen. Viele unternahmen an diesem Tag Ausflüge in die Berge oder ins Flachland, um stressfrei und ohne jeglichen Termindruck die schöne Natur Ungarns zu genießen. Hinnerk beispielsweise hat mit seiner Gastfamilie einen Ausflug in eine kleine Stadt namens Belepö unternommen und dort eine Burg besichtigt. In der Burg hat er auch an einer Führung teilnehmen können, die sehr interessant war. Da es in Schleswig-Holstein nur wenige Burgen gibt, war der Ausflug mit Sicherheit etwas Besonderes.
Einige, die in Eger blieben, haben sich mit den anderen in Parks oder in der Innenstadt getroffen, um sich die Zeit zu vertreiben. Am Abend gingen wir dann in unser „Stammcafé“ am Stadion. Obwohl das Angebot an Cafés, Restaurants usw. wirklich groß war, was daran liegt, dass Eger eine Schulstadt ist und aus diesem Grund abends viele junge Leute unterwegs sind, gingen wir immer wieder gern dorthin. Es war einfach gemütlich und die Preise waren auch in Ordnung. Außerdem war es immer sehr schön, zusammenzusitzen und sich über die vergangenen Erlebnisse auszutauschen. Wenn man keine Lust mehr hatte, sich zu unterhalten, dann konnte man auch Tischfussball spielen. Da wir stets in größeren Gruppen dort waren, hat man uns immer freundlich behandelt.

Nils Boll, Jan-Philipp Graesch, Hinnerk Hameister

Montag, 27. 09. 2004

Szilvásvárad

An unserem letzten Tag in Ungarn sind wir morgens mit der Bahn in ein niedliches kleines Dorf namens Szilvásvárad gefahren. Dort gab es einen Lippizanerstall, an den ein kleines Museum angeschlossen war, das aber an diesem Tag eigentlich geschlossen war. Unsere ungarischen Lehrerinnen konnten die Betreiber des Museums jedoch davon überzeugen, dass wir doch hinein durften. Es gab Kutschen und Schlitten und natürlich Pferde zu sehen. Ein Großteil der Schülergruppe stand im Stall und bewunderte die kräftigen, gut gepflegten Pferde.
Nach unserem Besuch in diesem Museum gingen wir zu einem kleinen Bahnhof, von dem aus wir in einer winzig kleinen und total alten Waldbahn einen Berg am Szalajka-Tal hinauffuhren. Auf dem Berg konnten wir uns aussuchen, ob wir gleich wieder hinunter gehen wollten oder ob wir eine „Urmenschenhöhle“ – nebenbei angeblich nur ein dunkles Loch – anschauen wollten.

Wasserfall

Wir teilten uns also auf. Der Weg den Berg hinab war wunderschön und total romantisch. Es gab einen kleinen Bach mit Wasserfällen, und obwohl das Wetter schlecht war, war man im Wald gut geschützt. Auf dem Weg hinab gab es noch eine Freilicht-Ausstellung, die zeigte, wie die Holzarbeiter in Ungarn früher gelebt und gearbeitet haben.
Unten am Berg angekommen stellten unsere Lehrer fest, dass wir noch viel zu viel Zeit hatten, also durften wir uns eine Stunde lang an einem Platz mit vier Souvenirläden und zwei Gaststätten aufhalten.
Dann gingen wir zurück zum Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach Eger zurück. Abends um 19 Uhr sollten wir uns in einem Restaurant treffen, das Jóbarát heißen sollte, aber leider zwischenzeitlich seinen Namen geändert hatte, was für Verwirrung sorgte. Das Essen in diesem Restaurant war gut, und mit Abschiedsreden und Geschenken bildete dieser Abend einen schönen Abschluss für eine erlebnisreiche Woche in Ungarn.

Svantje Berner, Lena Neumann, Eva-Jana Manke

Dienstag / Mittwoch, 28. und 29. 09. 2004

Rückreise

Gegen 9 Uhr stand ich auf. Das war allerdings bereits das zweite Mal, dass ich diesen Morgen aus dem Schlaf „glitt“. Das erste Mal war gegen 7 Uhr, als meine Gastmutter mich mit einiger Mühe weckte, um mir noch auf Wiedersehen zu sagen, bevor sie zur Arbeit musste. Gequält schleppte ich mich noch ein letztes Mal in das Badezimmer, packte meine restlichen Sachen zusammen und frühstückte noch einmal. Meine Gastmutter hatte mir netterweise einen riesigen Reiseproviant hingestellt, was die nächste morgendliche Anstrengung darstellte, da ich mich nun fragte, wie das alles in meinen Rucksack passen sollte. Ich durfte die wirklich überwältigende ungarische Gastfreundschaft bis zum Schluss in vollen Zügen genießen.
Als nun endlich alles fertig war, ging es mit dem „Familien-Corsa“ zum Bahnhof, was keine zwei Minuten dauerte und eigentlich auch zu Fuß zu bewältigen gewesen wäre, aber, naja, warum auch nicht, ist so auf jeden Fall deutlich bequemer.
Am Bahnhof angekommen ereigneten sich die ersten Abschiedsszenen, wobei uns allen anzusehen war, dass der letzte Abend nicht ganz ohne Spuren an uns vorbeigezogen war. Gegen 10 Uhr 30 saßen dann alle in ihren Abteilen, das Gepäck war verstaut und der Zug setzte sich in Bewegung. Winkenderweise und „Sziasztok“ („Tschüß ihr!“) rufend standen wir an den Fenstern und sahenn unseren Gastfamilien nach, bis sie nicht mehr zu sehen waren.

Abschiedsszene

Nun befanden wir uns also wieder auf dem Heimweg. In unserem nostalgisch anmutenden Abteil saßen alle zunächst mehr oder weniger schweigend; es war zu merken, dass jeder die letzten Tage noch einmal Revue passieren ließ. Klar freute man sich auch wieder auf zu Hause, aber man hatte doch viele nette Leute kennen gelernt, die man eigentlich nicht mehr missen mochte. Außerdem war Eger eine Stadt, in der man sich durchaus zu Hause fühlen konnte, wenn man durch die verwinkelten Straßen ging, ja, man konnte sich wohl fühlen. Während ich in Gedanken schwelgte, überwältigte mich doch langsam die Müdigkeit und die Zeit bis Budapest wurde im Halbschlaf verbracht, bis wir unser Etappenziel, Budapest-Keleti pu, um 12 Uhr 47 erreichten.
Raus aus dem Zug, hinein in den österreichischen Zug, der uns nun wie der absolute Luxus erschien. Schnell noch die Leute aus dem reservierten Abteil verjagt und dann war der Zug um 13 Uhr 05 auch schon unterwegs weiter gen Heimat.
Nachdem die „Liegefunktion“ der doch recht komfortablen Sitze entdeckt war, wurde aus dem Abteil eine Liegewiese, was einem ermöglichte, den verpassten Schlaf der letzten Nacht nachzuholen, bis man das – sogar die Musik im Discman übertönende – „Passport please“ der ungarischen Zollbeamten vernahm und nach kurzer Ausweiskontrolle auch nicht weiter belästigt wurde. Nach dem Überqueren der Grenze nach Österreich das Ganze noch mal, mit dem Unterschied, dass die Beamten nun ein recht lustig klingendes Deutsch sprachen. War da nicht was mit „Vaterland Europa?“ – da muss man sich doch geirrt haben, die Grenzen sind offenbar immer noch vorhanden. Was ein Wunder...
Die nächste Zeit war erst mal recht ereignislos, bis dann zwei dubiose Gestalten vor dem benachbarten Abteil auftauchten, in dem sich neben einem unbekannten, nahöstlich anmutenden Mann auch unsere beiden Lehrkörper befanden. Die beiden Gestalten entpuppten sich als zwei weitere Diener der Staatsmacht, die nun eine Inlandskontrolle durchführten und die Ausweise penibel kontrollierten; auch eine Datenbankabfrage im mitgeführten Notebook blieb nicht aus. War es die Schuld des Unbekannten oder eher die Schuld von Herrn Alsen, der ein Buch über die Revolution von 1918 las, dass ausgerechnet dieses Abteil kontrolliert wurde? Egal...
Die Zugfahrt zog sich hin, das Liegen wurde langsam ungemütlich und Langeweile begann sich breit zu machen. Vom Buch zum Discman und wieder zurück ... irgendwann war dann auch diese Etappe geschafft und wir erreichten mit ca. 10 Minuten Verspätung um 20 Uhr 45 München Hbf. Ich hatte die erste Kofferwache übernommen. Diese ging auch schnell vorbei, und wir verließen den Bahnhof und kreuzten ein wenig durch München. In den Straßen sah es nicht großartig anders aus als im Bahnhof und ich begann Ungarn mehr und mehr zu vermissen, was außerdem noch durch die Tatsache verstärkt wurde, dass das Oktoberfest im vollen Gange war und es in München von Festwiesen-Gästen wimmelte.
Endlich wieder im Zug wurde mir eins klar: Ich werde diese Nacht nicht oder zumindest sehr schlecht schlafen. „Schlafsessel“ waren gebucht, doch lässt sich dazu nur eins sagen: Auf einem Holzfußboden schläft es sich besser. Wer diese Teile erfunden hat, wusste, dass er niemals in ihnen schlafen müsse. Es war mittlerweile 23 Uhr und die Müdigkeit kam zurück. Schließlich entglitt ich doch in einen Dämmerzustand, was sich aufgrund des Lärmpegels meiner netten MitschülerInnen nicht gerade einfach gestaltete. Doch auch dieser friedliche Geisteszustand sollte gestört werden: Eine der beiden Frauen, die hinter meiner Sitzreihe saßen, fühlte sich verpflichtet, mir ihre Füße unter die Nase zu halten (und die können nach einer langen Zugfahrt etwas abartig duften). Darüber hinaus nahm ich war, dass die wenigsten Leute in diesem Großraumwagen vorhatten, zu schlafen. Doch Gewalt ist keine Lösung, und so wurde auch der Gedanke zu spontanen Übergriffen auf MitschülerInnen verworfen, die einem mit ihrem permanenten Rumgequatsche furchtbar auf die Nerven gingen. Irgendwann war es schließlich auch möglich, kurze Nickerchen zu machen, die dann aber immer wieder durch etwas gestört wurden.
Letztendlich war es auch schon 7 Uhr 44 und wir erreichten Hamburg-Dammtor. Die 40 Minuten Aufenthalt zogen sich auf eine Stunde hin, aber das liegt ja immer noch im gewohnten Toleranzbereich der Deutschen Bahn. Die Zugfahrt blieb auch eher ereignislos, abgesehen davon, dass wir nicht die einzige Schulgruppe im Zug waren, aber dafür die einzige mit einer Reservierung, was bei der Gruppe von der anderen Schule für etwas Verwirrung sorgte (wer lesen kann, ist klar im Vorteil ...). Gegen 9 Uhr 30 waren wir dann auch schon in Neumünster-City. Mein Fazit zur Rückfahrt: Ein eher lästiger Teil des Austausches, zumindest in unserem Fall.