„Geht den Neonazis nicht auf den Leim“


   
 

                                 Fotos: Herr Bienert

Zeitzeuge Adolf Burger berichtete von NS-Lagern

 Neumünster/er – Es war mucksmäuschenstill in der Aula der Alexander-von-Humboldt-Schule. Auf der Bühne erzählte der 88-jährige Adolf Burger seine Lebensgeschichte. 1942, einen Tag vor dem 25. Geburtstag, wurde der Spross einer jüdischen Familie in der Slowakei verhaftet. Er wurde ebenso wie Ehefrau Gisela nach Auschwitz deportiert.
Mit einer einfachen Daumenbewegung, so Burger, entschieden die SS-Ärzte an der berüchtigten „Rampe“ in Auschwitz über Leben und Tod der Frauen und Männer, die aus den Waggons kletterten.
„Der Vortrag ist sehr interessant, die einzelnen Fakten sind erschütternd“, fasste die 14-jährige Charlotte ihren Eindruck zusammen. Als gelernter Buchdrucker und Setzer gelangte er auf SS-Befehl in die Fälscherwerkstatt des KZ Sachsenhausen (bei Berlin), in der ausländische Banknoten und Dokumente „hergestellt“ wurden. Nach der Verlegung ins KZ Ebensee erlebten die 135 Häftlinge des Fälscherkommandos am 5. Mai 1945 die Befreiung durch US-Truppen.
Adolf Burger lebt heute in Prag. Seinen aufmerksamen Zuhörern rief er zu: „Ihr seid die neue Generation. Ihr könnt nichts dafür, was geschehen ist. Ihr dürft nicht den Neonazis auf den Leim gehen. Wer zu den Neonazis geht, wird früher oder später zum Mörder.“

 Adolf Burger hat ein Buch geschrieben: „Des Teufels Werkstatt – Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen“ (Verlag Neues Leben; ISBN 3-555-01486-9).

HC, 19.01.2006, Seite 17